Suche
  • Diözese St. Pölten

"Aufeinander achtsam hören"

Ermutigungswort zum synodalen Prozess: Phase der Teilhabe


Von Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz


Ermutigungswort zum synodalen Prozess -Teilhabe 4. 1.
.pdf
Download PDF • 396KB

Fest der Taufe des Herrn, 9. Jänner 2021


Liebe Schwestern! Liebe Brüder!

Mit dem Fest der Taufe des Herrn beginnt nach der weihnachtlichen Zeit wieder der Alltag, die sogenannte Zeit im Jahreskreis. Damit ist ein weiterer Beginn verbunden: Nach der ersten Phase des diözesanen Synodalen Prozesses, die sich dem Thema „Gemeinschaft“ gewidmet hat, beginnt nun die zweite Phase, die sich dem Thema der „Teilhabe” zuwendet. Heute möchte ich die Aufmerksamkeit auf den Aspekt der ‚Teilhabe‘ lenken. Dieses Thema soll uns bis Ostern ganz intensiv beschäftigen. Es soll uns helfen, „die Gaben, die wir vom Heiligen Geist empfangen haben, einzusetzen, um einander zu dienen“ (Vademecum 1.4).


An etwas teilhaben zu können setzt das Empfinden von Zugehörigkeit voraus. Wenn Sie, liebe Schwestern und Brüder, an Ihre Pfarrgemeinde denken, dann möchte ich Sie einladen jenen Menschen intensiv und respektvoll zuzuhören, die Ihnen in der Pfarre bzw. im Pfarrverband (noch) unbekannt sind. Lassen Sie sich ein auf Gespräche mit Menschen, die – so ferne sie überhaupt in die Kirche kommen – am Rande der Gemeinschaft stehen. Es geht dabei um ein Zuhören und nicht um ein Bewerten oder Beurteilen.



Teilhabe wäre falsch verstanden, wenn diese wiederum nur von jenen Menschen praktiziert wird, die ohnehin integriert, akzeptiert und innerhalb der Pfarre bzw. des Pfarrverbandes das Sagen haben.


Teilhabe, wie Papst Franziskus es meint, bedeutet über den eigenen pfarrlichen Bereich hinaus zu jenen Menschen zu gehen, die der Kirche aus den unterschiedlichsten Gründen den Rücken zugekehrt haben. Die Zugehörigkeit zu einer pfarrlichen Gruppierung, die zweifelsohne sehr wertvoll ist, kann aber gleichzeitig auch verhindern, dass neue Menschen hinzukommen können. Hier braucht es viel Zeit und viele Gespräche, um wahrzunehmen, wer interessiert sein könnte mitzumachen und um die Menschen anzuhören und ihre Sorgen, ihre Wut, ihre Ängste und Nöte miteinander zu teilen.


Es braucht aber auch Konzepte, wie genau diese Menschen, wieder ins Boot geholt werden können. Damit meine ich, was könnten Sie tun, damit viele in der Pfarre Beheimatung finden. Vielleicht ist dazu das eine oder andere Versöhnungsgespräch erforderlich. Vielleicht sind aber einfach allgemeine Informationen und Abläufe innerhalb der Pfarre zu klären.


Möglicherweise helfen dabei Fragen, wie: Was kann ich für Sie tun? Womit könnte die Pfarre Sie unterstützen? Was müsste geschehen, dass Sie sich von der Kirche/ von unserer Pfarre so sehr angesprochen fühlen, dass Sie regelmäßig zum Gottesdienst kommen würden? Was ist der Grund/ was sind die Gründe, warum Sie der Pfarre ferne bleiben?


Papst Franziskus möchte alle einbeziehen, die dem Volk Gottes angehören. Ihnen soll Gehör geschenkt werden. Ihre Stimme ist in diesem Prozess ganz besonders wichtig. Genau jenen Menschen, die in und mit der Kirche schlechte Erfahrungen gesammelt haben, soll zugehört werden. Sie sollten angehört werden, denn sie haben etwas zu sagen, das man sonst vermutlich nie mehr hören wird. Es geht darum, die lauten Stimmen im Vordergrund zurückzunehmen und die verstummten Stimmen zu reaktivieren. Mit den lauten Stimmen meine ich besonders jene, die ihren Platz in den Pfarren bereits gefunden haben und sich mit Ämtern und Aufgaben bereits gut positioniert haben. Die Kirche ist kein Verein, der nur von Funktionären lebt. Die Kirche ist mehr als das Verteilen von ein paar wenigen Aufgaben. Die Kirche lebt davon, dass alle, die zu ihr gehören wollen, teilhaben können.



„In einer synodalen Kirche ist die ganze Gemeinschaft in der freien und reichen Verschiedenheit ihrer Mitglieder zusammengerufen, um zu beten, zu hören, zu analysieren, miteinander zu sprechen, zu unterscheiden und sich zu beraten, um die pastoralen Entscheidungen zu treffen, die Gottes Willen am besten entsprechen (ICT, Syn., 67-68). Es bedarf ernsthafter Kraftanstrengungen, um jene einzubeziehen, die ausgegrenzt sind oder sich ausgeschlossen fühlen“, so steht es im Vademecum (1.4) zum synodalen Prozess.


Niemand darf ausgegrenzt werden. Wenn dies dennoch geschehen ist, dann gilt es diesen Menschen nachzugehen, sie wieder herein zu holen und ihnen einen guten Platz einzuräumen. Dazu braucht es Ideen und liebevolle Kreativität, damit es gelingen kann, die entfernten, verletzten oder verlassenen Menschen innerhalb der Pfarre teilhaben zu lassen.


Ich lade Sie ein, liebe Schwestern und Brüder, gemeinsam zu überlegen, wo in Ihrer Pfarre, wo in der Diözese Menschen leben, die der Kirche den Rücken zugekehrt haben und/oder, die ungerecht behandelt wurden. Überlegen Sie, wie wir sie wieder in die Teilhabe führen können.


In diesem Sinne freue ich mich über Erfolgsgeschichten und Rückmeldungen als Einzelperson oder Ihrer Gemeinschaft, Ihrer Gruppe innerhalb der Pfarre.


Ihr

Dr. Alois Schwarz

Diözesanbischof



34 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen